Seit sehr langer Zeit war ich nun mal etwas ernsthafter krank. So krank, dass ich ärztliche Hilfe brauchte. Das ist mit Ausnahme eines Zahnarztbesuchs im letzten Jahr zuletzt in 2009 der Fall gewesen. Und damals war es eher ein Besuch zur Sicherheit, dass auch wirklich alles okay ist.

Nunja. Jetzt hatte ich Gelegenheit das schwedische Gesundheitssystem auszuprobieren. Als Deutscher habe ich ja eine europäische Versicherungskarte. Das bedeutet, dass ich hier im Prinzip genau wie ein Schwede behandelt werde. Eine gute Sache.

Die Gesundheitszentralen sind die zentralen Anlaufpunkte. Dort gibt es Allgemeinmediziner und ein paar Spezialisten. Wenn man nun krank ist, kann man nur im Notfall direkt zum Arzt gehen. Ansonsten muss man sich entweder online oder per Telefon anmelden. Die Gesundheitszentralen haben dafür Telefonzeiten. In meinem Fall konnte ich entweder zwischen 8 und 9 oder zwischen 12 und 13 Uhr jemanden erreichen. Per Telefon wird dann erst einmal geklärt, ob man denn wirklich einen Arzt braucht oder ob es auch ein frei verkäufliches Medikament oder einfach nur etwas Ruhe nicht auch tut.

Da ich aber ja wirklich krank war, ging es sogar recht fix. Um 8 Uhr angerufen, durch die schwedische Telefonansage navigiert und dann mit einer Krankenschwester gesprochen, die mir für 11 einen Termin gab. Um 11 habe ich dann in der Gesundheitszentrale gesessen und wurde nach 30 Minuten auch untersucht. Eigentlich habe ich die meiste Zeit gewartet, und zwar auf Testresultate. Als man dort mit dem Latein am Ende war, hat man mich zum Krankenhaus geschickt, zu den Spezialisten. Den Termin hat der Arzt in der Gesundheitszentrale vereinbart, und zwar für 14:30. Nach etwas Warten, weil es ja eine Station für akute Fälle ist, war ich dann dran und man hat wieder geschaut, was mir denn fehlt. Um 16:00 war ich wieder draußen, mit der Tasche voller Medikamente. Wann ich das letzte Mal rezeptpflichtige Medikamente nehmen sollte, weiß ich schon gar nicht mehr. Das ist mindestens 7 oder 8 Jahre her.

Insgesamt war ich noch drei weitere Male dort, damit man schauen konnte, ob sich mein Zustand verbessert. Und nun, heute, wurde ich als “ziemlich gesund” entlassen. Ich soll meine Medikamente noch bis morgen nehmen, noch ein paar Tage mit leichten Beschwerden leben und dann sollte die Geschichte eigentlich gegessen sein. Ich bin mal gespannt. ;)

Mir geht es allerdings wirklich besser.

Die Medizin musste ich übrigens selbst bezahlen. Sie ist aber von der Krankenkasse subventioniert. Auch eine Praxisgebühr gibt es hier. 200 SEK zahlt man für JEDEN Besuch, solange, bis man den Maximalbetrag erreicht. Ich habe also allein 800 SEK “Eintrittsgeld” bezahlt. Da ich ja mit der europäischen Karte wie ein Schwede behandelt werde, rechne ich nicht damit, dass die deutsche Krankenkasse etwas davon erstatten darf oder will. Aber Fragen kostet ja nichts.